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Erlebnisbericht, Harlingen Kessel - Lüchow GeSa, von L.M. 28.11.2011 Drucken E-Mail

Harlingen Kessel – Lüchow GeSa
von L.M. 28.11.2011


Die Aktion mit den Formblättern zu illegalen Haftbedingungen war gut, ABER als wir raus wollten aus dem Kessel hieß es von der Polizei „Sie können hier im Einsatzwagen einen Antrag stellen, direkt einem Haftrichter vorgeführt zu werden, dann sind Sie hier gleich raus“ wurde später von unserem Anwalt im Kessel aufgegriffen. Erst hieß es, wir kommen mit dem „Antrag“ von uns vor einen Richter in Lüchow. Dann sagte er , es gibt jetzt Transporte von der Polizei, um vor einen Haftrichter geführt zu werden, laut Polizei gibt es einen Unterschied zwischen Richter und Haftrichter.

Wir waren animiert vom Anwalt mit möglichst vielen Leuten nach Lüchow zu fahren, um dort Druck auf die Richter auszuüben. Wir wußten, dass ein Foto von uns genommen würde. Es hieß, die Chance über Lüchow früher raus zu kommen sei größer, als wenn man im Kessel bliebe.

Wir wurden hinter dem Kessel bei den Fahrzeugen durchsucht, Körper abgetastet, Taschenmesser wurden vorübergehend von den Bullen aufbewahrt, der Perso abgenommen bis zur Freilassung.

Ich sollte erst in einen Knastwagen mit Hühnerkäfigen gesperrt werden. Da ich so schockiert war, konnte ich in einem Kleinbus mit kugelsicherer Trennscheibe + Gitter auf einer Rückbank sitzen. Dort waren wir zu zweit, Platz für 3. Ich wäre mit meiner Freundin und ihrer Nichte zu dritt gewesen, es hieß erst, es gibt nur Platz für 2 in unserem Bus und Platz für 2 in einem anderen. Auf die Weise sind wir getrennt worden. Hinterher erfuhr ich, dass sie eine Panikattacke beim Einsteigen hatte und zurück in den Kessel gehen konnte. Ich hätte sie da lieber begleitet.

Auf der Fahrt hörten wir Radio FFN wo in den Nachrichten ½ Std. die Meldung kam, dass die Leute vom Kessel nach und nach nach Lüchow transportiert werden sollten, um dort einem provisorischen Richter vorgeführt zu werden, der entscheiden sollte, wann wir alle freigelassen werden sollten.

Die GeSa in Lüchow war ein Bierzelt mit Holzboden und beheizt.

Keine Stühle, kein Kaffeeautomat o.ä. Wir bekamen Wasser auf Nachfrage, ich sollte meine Decke draußen lassen. Ich schätze das beim nächsten mal der Kessel in Harlingen so vorbereitet sein wird: beheizte Bierzelte (ohne Stühle), Licht aus bei Nacht und Dixiklos. Um damit die illegalen Haftbedingungen um das Minimum aufzubesssern, damit der Vorwurf der illegalen Haftbedingungen unhaltbar wird. Da können wir dann frustriert abwarten, aktionsunfähig bis zu 24 Stunden.

Ich hatte mir die GeSa in Lüchow in einem Gebäude mit Stühlen vorgestellt. So hörte sich das vorher an.

Von einem Seelsorger vermittelt kamen später noch Klappstühle. Einen Richter hab ich nicht zu Gesicht bekommen. Da waren nur die Schreibtischtäter. Es wurde ein Foto von mir genommen, sie sagten, dass wäre eine Formsache, es würde wieder gelöscht werden. Warum hat sie (eine Polizistin) dann nachgefragt, von welcher Seite das Gesicht zu sehen ist? Der Bildschirmschoner ist übrigens ein Bild mit Handschellen! Das zur Ästhetik und Entspannungsvorstellung i.d. Polizei! Ich glaube nicht, dass es gelöscht wurde. Es gab noch ein Telefonat von einem Widersetzen Mitglied, er bekam die Info, dass keine Fotos gemacht werden mussten (vom EA)?

Die Rucksäcke wurden durchsucht und erst bei Freigabe zurückgegeben. Ich hatte das Gefühl mit einem Misserfolg aus der Geschichte rauszugehen. Ich kam mir blöd vor, freiwillig durch die ganze Prozedur gegangen zu sein. Sie haben jetzt einen Wust von Papierkram (angeblich 27 Seiten) und das Foto von mir. Die Daten sollen der Gorleben Einheit zugänglich sein, nicht z.B. normalen Straßenverkehrseinheiten, solange bis die Verfahren abgeschlossen sind.

Ich traf dort aber noch jemanden., der sich in Grünhagen seinen Daumen gebrochen hatte, wo er erst ohne Saniwagen festgehalten wurde und schon 2 ½ Std. in Lüchow war, insgesamt 4 Std. in Polizeigewahrsam ohne einen Arzt sehen zu können, sein Handy hatten sie konfisziert. Ich machte auf seinen Daumen aufmerksam, dann erzählte er das o.e., ich verurteilte das und versprach mich mit dem EA in Verbindung zu setzen, sobald ich die Nummer hätte. Kurze Zeit darauf sagten mir die Bullen, dass er jetzt beim Arzt wäre. Kurz darauf habe ich auch den Ermittlungsausschuss informiert.

 
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